Brot oder Strom?

Landwirtschaftliche Flächen werden in Deutschland ganz unterschiedlich genutzt. Den größten Flächenanteil hat Ackerland (70%), danach Grünland (28%). Mehr als die Hälfte des Ackerlandes wird für den Getreideanbau genutzt (52%), gefolgt von Pflanzen für die Grünernte wie Silomais (27%) und Handelsgewächse wie Hanf oder Hopfen (9%, 2020, Quelle: BMEL).

Auf einer Fläche kann nur entweder Getreide angebaut oder Strom produziert werden. Beides gleichzeitig geht (noch) nicht. Die Frage »Brot oder Strom?« ist also naheliegend. Und falsch.

1. Längst nicht alles Getreide wird zu Brot

2020/21 wurden nur 20 % der deutschen Getreideproduktion für die Nahrung verwendet. 58 % gingen als Futter in die Tierhaltung, weitere 9% in die Energieproduktion, 8 % wurden industriell verwertet. Wenn Getreide als Nahrungsmittel für Menschen knapp würde, wäre es am effektivsten, weniger davon an Tiere zu verfüttern. (Quelle: BMEL)

2. Unserer Gesellschaft braucht nicht Brot oder Strom, sondern beides.

Selbstverständlich brauchen wir Nahrungsmittel und Energie – Jede:r Einzelne und die Gesellschaft insgesamt. Ohne Nahrungsmittel könnten wir mit der Energie nichts anfangen, ohne Energie könnten wir keine Nahrungsmittel produzieren.

3. Wir müssen Energie importieren, aber kein Getreide

Der Selbstversorgungsgrad bei Getreide lag in Deutschland 2018/19 bei 101 % (Quelle: BMEL), bei Energie hingegen nur bei 29 % (Quelle: UBA). Vor allem Erdgas (Importquote 94%), Mineralöl (98%) und Erdöl (100%) wurden und werden fast ausschließlich aus dem Ausland importiert (Quelle: UBA). Die Reduzierung dieser Importabhängigkeit ist nicht erst seit dem Krieg gegen die Ukraine ein politisches Ziel in Deutschland.

Derzeit ist die Landwirtschaft vor allem Energieverbraucher: Traktoren und Mähdrescher, Ställe, Melkstände oder Getreidetrocknungsanlagen verbrauchen Energie, meist in Form von Diesel oder Strom. Das wird sich in Zukunft ändern: Die Landwirtschaft „… wächst in die Rolle des Energieerzeugers hinein“ sagt Ole Lamp vom Lehr- und Versuchszentrum in Futterkamp (Quelle: KN online). Zu den Klimawirkungen der Landwirtschaft siehe auch die Seite zu den Klimaeffekten.

Arbeitsplätze

Wenn Ackerfläche nicht mehr für die Lebensmittelproduktion genutzt wird, könnte das zu einem Verlust von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und damit von Einkommen führen.

Die Gefahr ist aber gering. Denn erstens wird die Landwirtschaft immer produktiver, die Zahl der benötigten Arbeitskräfte je ha ging von 2010 bis 2020 um 15 % zurück (von 6,6 auf 5,6 Arbeitskräfte je 100 ha, also von 0,066 auf 0,056 je ha, Quelle: Destatis). Je ha wird weniger als ein Zehntel eines Vollzeitäquivalents (VZÄ) benötigt, für eine Fläche von 45 ha sind es 2,5 Arbeitskräfte, vor zehn Jahren waren es noch fast 3,0 VZÄ.

Zweitens ist das Lohnniveau in der Landwirtschaft ausgesprochen niedrig. Nach dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit beträgt das mittlere Einkommen für Landwirte in Schleswig-Holstein nur 2.433 € (zum Vergleich. Altenpfleger 2.938, Bauelektriker 3.132  €, Quelle: BAA)

Drittens ist die Arbeit in der Landwirtschaft stark saisonal geprägt. Bei etwas weniger Fläche werden in der Erntezeit weniger Saisonkräfte benötigt, ohne dass ein Verlust von dauerhaften Arbeitsplätzen entsteht.

Gleichzeitig benötigt auch eine PV-Anlage Arbeitskräfte für die Sicherstellung des Betriebs und für Reparaturen und Instandhaltungen. Zu den ökonomischen Auswirkungen siehe auch die Seiten zu den ökonomischen Effekten.